Großer Jubel in Kitzbühel: Manuel Feller hat am Sonntag den Weltcup-Slalom gewonnen und damit für einen emotionalen Moment im österreichischen Skisport gesorgt. Der 33-Jährige setzte sich in einem packenden Rennen knapp vor dem Schweizer Loïc Meillard durch und entschädigte zugleich für das enttäuschende Abschneiden der österreichischen Speedfahrer in der Abfahrt.
Feller, nach dem ersten Durchgang noch auf Rang vier gelegen, zeigte im zweiten Lauf eine starke Leistung und fuhr mit einer Gesamtzeit von 1:40,60 Minuten zu seinem siebenten Weltcupsieg. Der Erfolg kommt zum perfekten Zeitpunkt – nur wenige Wochen vor den Olympischen Winterspielen in Mailand-Cortina.
Es war der erste österreichische Slalom-Sieg in Kitzbühel seit Marcel Hirscher 2017 und zugleich das erste Podestresultat der heimischen Technik-Spezialisten in dieser Saison. Der Schweizer Weltmeister Loïc Meillard, der nach dem ersten Lauf noch geführt hatte, belegte mit 0,35 Sekunden Rückstand den zweiten Platz. Rang drei ging an den Deutschen Linus Strasser (+0,53).
Für Feller hatte der Sieg eine besondere persönliche Bedeutung. Sein letzter Weltcupsieg lag fast ein Jahr zurück, im Februar 2024. Nach schwierigen Monaten zeigte sich der Tiroler im Ziel sichtlich bewegt.
„Ich war heuer ein paar Mal nahe daran aufzuhören, mir hat einfach die Energie gefehlt“, sagte Feller. „Aber Aufgeben war keine Option. Ich habe weitergekämpft – und jetzt hat sich alles gelohnt.“
Der Silbermedaillengewinner der Weltmeisterschaft 2017 in St. Moritz ergänzte: „Es ist unglaublich. Wahrscheinlich ist es die härteste Saison meines Lebens. Aber jetzt fühlt sich Skifahren wieder richtig gut an.“
Der Erfolg kam auch zur rechten Zeit für das österreichische Team, das am Samstag in der legendären Kitzbüheler Abfahrt eine herbe Enttäuschung erlebt hatte. Der Sieg ging dort an den Italiener Giovanni Franzoni, vor dem Schweizer Superstar Marco Odermatt. Bester Österreicher war Vincent Kriechmayr auf Rang 13, nur zwei weitere Heimläufer schafften es unter die Top 25 – die heimischen Medien übten scharfe Kritik.
Unforgivinger Ganslern-Slalom
Der Slalom auf dem berüchtigten Ganslern-Hang verlangte den Athleten alles ab. Der harte, eisige Untergrund ließ kaum Fehler zu. Der Brite Billy Major setzte im zweiten Lauf zunächst eine Richtmarke, wurde aber rasch abgelöst. Österreichs Fabio Gstrein, nach dem ersten Lauf noch auf Platz 22, fuhr die Laufbestzeit und übernahm zwischenzeitlich die Führung.
Briten-Hoffnung Dave Ryding, Sieger von 2022, kam nicht in Podestnähe und beendete sein vorletztes Kitzbühel-Rennen als 20. – mehr als zwei Sekunden zurück. Der siebenfache WM-Medaillengewinner Marco Schwarz schied aus, ebenso konnte der Schweizer Daniel Yule, zweifacher Ganslern-Sieger, Gstrein nicht schlagen.
Erst Lucas Pinheiro Braathen aus Brasilien übernahm die Führung klar. Danach setzte sich Linus Strasser an die Spitze – bis Manuel Feller kam. Getragen von der frenetischen Unterstützung der Fans, stürmte der Österreicher mit über einer halben Sekunde Vorsprung in Führung.
Norwegens Routinier Henrik Kristoffersen verpasste sein 101. Weltcup-Podest deutlich und wurde Zehnter. Auch der Finne Eduard Hallberg konnte nach einem Fahrfehler nicht mehr eingreifen und landete auf Rang fünf.
Am Ende blieb nur noch Meillard. Doch sein Vorsprung aus dem ersten Lauf schmolz schnell dahin. Als der Schweizer im Ziel Zweiter wurde, rang Feller ungläubig um Fassung – der Sieg in Kitzbühel war perfekt.
