London – Der frühere Labour-Minister und heutige Bürgermeister von Greater Manchester, Andy Burnham, darf vorerst nicht ins britische Unterhaus zurückkehren. Das höchste Führungsgremium der Labour-Partei hat seinen Versuch, bei einer anstehenden Nachwahl erneut als Abgeordneter zu kandidieren, gestoppt. Die Entscheidung sorgt parteiintern für deutliche Spannungen.
Burnham wollte bei einer Nachwahl für einen sicheren Labour-Wahlkreis antreten und damit nach mehreren Jahren außerhalb des Parlaments wieder nationale Politik machen. Dafür benötigte er jedoch die Zustimmung der Parteiführung – und genau diese blieb aus. Das zuständige Gremium entschied sich klar gegen seine Kandidatur.
Offiziell begründet Labour den Schritt mit organisatorischen und finanziellen Argumenten. Ein Mandatswechsel hätte automatisch eine weitere Wahl ausgelöst, da Burnham sein Amt als Bürgermeister hätte niederlegen müssen. Parteistrategen befürchteten unnötige Kosten und politische Ablenkung in einer Phase, in der sich Labour auf wichtige kommende Wahlen konzentriert.
Doch hinter den Kulissen wird die Entscheidung politisch interpretiert. Burnham gilt seit Langem als eigenständige Stimme innerhalb der Partei und als möglicher innerparteilicher Rivale von Premierminister Keir Starmer. Kritiker sehen in der Blockade weniger eine organisatorische Notwendigkeit als vielmehr einen Machtakt, um potenzielle Konkurrenz auf Distanz zu halten.
Innerhalb der Partei regt sich Widerstand. Mehrere Labour-Politiker äußerten Unverständnis über den Schritt und warnten vor wachsender Unzufriedenheit an der Basis. Burnham genießt vor allem im Norden Englands hohes Ansehen, nicht zuletzt wegen seines selbstbewussten Auftretens gegenüber der Zentralregierung in den vergangenen Jahren.
Burnham selbst reagierte bislang zurückhaltend. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass die Entscheidung langfristige Folgen für das innerparteiliche Klima haben könnte. Ob und wann er einen neuen Anlauf für die nationale Politik nimmt, bleibt offen.
Fest steht: Die Blockade seiner Kandidatur wirft erneut Fragen über Machtverteilung, innerparteiliche Demokratie und den Kurs der Labour-Partei unter ihrer aktuellen Führung auf.
